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Podiumsdiskussion "Sind Unternehmen für ihre MitarbeiterInnen verantwortlich?"

Die Podiumsdiskussion wurde im Rahmen des Impulsforum Familie und Betrieb des SENAT DER WIRTSCHAFT veranstaltet. Inhaltlich gestaltet und moderiert wurde von Barbara Tolliner, Geschäftsführerin von take off - Lern- und Beratungsinstitut in Leoben.

Hans Harrer, Vorstand des SENAT DER WIRTSCHAFT, begrüßte das Publikum und die hochkarätigen Podiumsgäste Maria Santner, Prokuristin der Anton Paar GmbH, Graz, Irene Slama, Expertin Familie-Beruf-Generationen-Management, Klagenfurt, Mag.a Kirsten Fichtner-Koele, Rechtsreferentin Arbeit und Soziales der Wirtschaftskammer Steiermark und Ing. Thomas Pusch, Geschäftsführer der Pusch und Schinnerl GmbH, Frohnleiten.

Anlass für diese Äußerung waren die beeindruckenden und umfassenden Schilderungen von Frau Maria Santner, Prokuristin der Firma Anton Paar GmbH und Mutter von vier Kindern, zu diesem Thema. Das einstige Familienunternehmen wurde in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht und ist Gemeinwohl orientiert. In der Firma Anton Paar GmbH gibt es 131 verschiedene Arbeitsmodelle, freitags wird nur bis 13 Uhr gearbeitet. Die Fenstertage sind frei und zu Weihnachten ist die Firma geschlossen. Das gibt den MitarbeiterInnen mehr Zeit für die Familie. Der Betriebskindergarten mit einer Kinderkrippe und einer Kindergartengruppe hat Platz für 45 Kinder. Die Kinder bereichern das Unternehmen und bringen Farbe und Abwechslung in den Unternehmensalltag! Entgegen vieler anderer Modelle geht das Konzept der Anton Paar GmbH noch einen Schritt weiter. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind bei der Anton Paar GmbH selbst angestellt. Auch die Großeltern finden Platz, um ihre Erfahrungen mit einzubringen. Nebenbei erhalten die Kinder einen Bezug zur Elternarbeit und es ist spannend, wie Kinder das Unternehmen beurteilen. Forschung und Technik werden den Kindern näher gebracht, sozusagen sind sie mitten in der Technik. Weiters gibt es Projekte für Menschen mit Behinderung, für die Prävention und Behandlung von Süchten aller Art und das Gesundheitsprojekt „Anton Paar in Bewegung“. Die Auswirkungen dieser Unternehmenskultur sieht man an den zufriedenen und entspannten MitarbeiterInnen. Die Fluktuation der MitarbeiterInnen ist sehr gering. Dadurch bleibt das Know How im Betrieb und aufwendige, kostspielige Personalsuche kann minimiert werden. Sehr viele BewerberInnen wollen auf Grund des hervorragenden Rufes bei der Firma Anton Paar GmbH arbeiten. Das schafft einen enormen Wettbewerbsvorteil und eine große Auswahl an gut qualifizierten MitarbeiterInnen. „Maßnahmen setzen ist eine Sache. Wir leben sie!“ meint Frau Santner. Und davon war auch das Publikum überzeugt.

Frau Mag.a Fichtner-Koele, als Vertreterin des Wirtschaftskammerpräsidenten der Steiermark, Ing. Josef Herk, blieb der Kammerlinie treu und wies auf die ohnehin ausgedehnten gesetzlichen Bestimmungen hin. Weiters ergänzte sie, dass es dennoch oft vorkommt, dass Mitgliedsbetriebe Rechtssicherheit bei Regelungen, die über die gesetzliche Verpflichtung hinausgehen – hier besonders die Pflegefreistellung -, Klärung brauchen.

Frau Slama stellte fest, dass ein Betriebskindergarten nicht immer notwendig ist. Oft ist es ausreichend für Firmen in den Ferien eine Kinderbetreuung zuzukaufen. Dass familienfreundliche Maßnahmen für das Unternehmen gewinnbringend sind, zeigen Studien, die das Senken der Fluktuation der MitarbeiterInnen um 15 % attestieren. Außerdem gibt es weniger Krankenstände. In Bezug auf die Fragestellung der Podiumsdiskussion „Sind Unternehmen verantwortlich für ihre MitarbeiterInnen?“ meint Frau Slama:„Verantwortung braucht ein Gegenüber, Respekt für einander.“

„Nur am Rande habe ich mich noch gespürt“ war das Eingangsstatement von Thomas Pusch, Vater zweier Kinder, der in seiner letzten unselbstständigen Rolle als Angestellter in der Privatwirtschaft tätig war. Beruf und Familie ließen sich nicht vereinbaren, bis er die Handbremse zog und sein Dienstverhältnis kündigte.

Mit dem Publikum wurde anschließend heiß diskutiert, wo die Verantwortung der Unternehmen beginnt und wo sie dann wieder aufhört. Hier das Optimum zwischen der zur Verfügung gestellten Rahmenbedingungen und der Einmischung in die Familie selbst zu finden, ist sicherlich sehr individuell und von Unternehmen zu Unternehmen verschieden.

Zum Glück investieren Mütter und Väter mehr Zeit in Familien als je zuvor. Das braucht die Gesellschaft und davon profitieren letztendlich auch die Unternehmen frei nach dem Motto: „Geht’s den Familien gut, geht’s auch der Wirtschaft gut!“